7.3.2020 |Gegen LGBT-Diskriminierung in Polen | Rede von Alicja Flisak

In den letzten Monaten erklären sich zahlreiche Orte in Polen zur “LGBT-freien Zonen”. Sie lehnen Aktionen zu Toleranz und Gleichberechtigung ab. Bereits ein drittel der Gemeinden, Landkreise und Verwaltungsbezirke in Polen finden homosexuelle, bisexuelle, Trans, Inter, oder nicht-binäre Personen unerwünscht. Die Menschen, die hinter dem Acronym LGBT stecken, werden nicht in Acht genommen. Der Kulturkampf der Rechten, der auf eine Aufwertung der “traditionellen Familie” und Verteidigung des “natürlichen Unterschieds” zwischen den Geschlechtern abzielt, der Kampf gegen den so genannten Gender-Wahn, ist den Rechten jede Opfer wert. Auch im Parlamentswahlkampf letztes Jahr waren die Rechte der LGBTQI ein polarisierendes Thema. Im April erklärte der Vorsitzende der Regierungspartei, Jaroslaw Kaczynski, die LGBTQI-Community zur Bedrohung für Polen und zur Zielscheibe bei der Parlamentswahl.

Auf die dramatische Folgen dieser Stimmungsmache, dieser homophonen Hetze, musste wir nicht lange warten. Im Anschluss erklärten sich ganze Regionen zu LGBT-Freizonen und die rechten Hooligans in Bailystok störten die Equality-Parade und attackierten gewaltsam die Teilnehmenden. Bereits 2012 haben sich die katholische Kirche, konservative und rechte Gruppen, Parteien und Organisationen in Polen gegen den Gebrauch des Begriffs „Gender“ in politischen Dokumenten und im öffentlichen Diskurs gewandt und versucht, die sexuellen und reproduktiven Rechte einzuschränken. In diesem Anti-Gender-Diskurs wurden die Queers, Feminist*innen, linke und alle die für eine offene Gesellschaft einstehen, als ein Teil der extremen Linken dargestellt und beschuldigt, die „traditionelle Familie” und die “polnische Nation” vernichten zu wollen.

Im Einklang mit dem rechten Gedankengut steht die Stärkung der hetero-Klienfamilie ganz oben auf der politischen Agenda der PiS. Die Familienpolitik verbunden mit einer konservativen und traditionellen Vorstellung von Geschlchterrollen spiegeln sich in dem Versuch wieder Abtreibungen gänzlich zu verbieten, Sexualerziehung aus der Schulen zu verbannen und nicht zuletzt in der Einführung der LGBT-Freizonen. Die Rechten haben es geschafft von der Unzufriedenheit eines großen Teils der Bevölkerung zu profitieren und die Wut auf die Niedriglöhne und unsichere Arbeitsverhältnisse in Abneigung gegenüber der marginalisierten Gruppen, wie Queers aber auch Frauen, Migrant*innen oder linke umzuwandeln. Dafür darf es unsere Zustimmung nicht geben, wir dürfen nicht leise sein! Tatsächlich zeigt uns ein Blick in die Geschichte, warum LGBTIQ-Personen den Aufstieg der Rechten fürchten sollten. In diesen Lehren (aus der Geschichte) sollten wir aber auch Inspiration finden, wie wir auf den heutigen Anstieg der homophober Gewalt reagieren sollen.

Eine der wichtigsten Lehren aus Stonewall und dessen Folgen ist die Notwendigkeit der Einheit der Unterdrückten. In der heutigen Umgebung bedeutet dies kompromisslosen Widerstand gegen Homo-Trans-und Frauenfeindlichkeit, sowie gegen jeder Form von Rassismus. Es bedeutet auch, sich zu organisieren, auf der Straße gegen Angriffe auf LGBTIQ -Personen zu mobilisieren oder LGBTIQ inklusive Bildung zu verteidigen.

Wir müssen aber auch die radikale Botschaft von Stonewall zurückbringen – dass die Befreiung für LGBTIQ nicht gewonnen werden kann, ohne einer Grundsätzlichen Veränderung der Gesellschaft und ohne der Befreiung aller Unterdrückten!

Alicja Flisak / Dziewuchy Berlin

Infos (Deutsch, English, Polski) >>>

Demo – Facebook event >>>

soli polen DB120200307_134324Foto: Agnieszka Glapa

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