Frauenkampftag / Alicja Flisak / Redebeitrag

8.3.2019

Drei Jahre nach dem Schwarzen Protest, der Tausende auf die Straße gebracht hat, um gegen einer Verschärfung des Abtreibungsgesetzes zu protestieren,   befindet sich die Pro-Choice Bewegung in Polen immer noch in einem Abwehrkampf. 

Vor 3 Jahren wurde der menschenverachtender Gesetzentwurf der rechten polnischen Regierung  zu einem totalen  Verbot des Schwangerschaftsabbruchs  in folge massiver Straßenprotesten zurückgezogen. Frauen haben Widerstand geleistet und damit  wurde erneut bewiesen, dass der Druck und die Stimme  einer straken sozialen Bewegung von den Politik nicht ignoriert werden kann.

Allerdings ist die Lage immer noch grausam. Schwangerschaftsabbrüche sind in Polen illegal, es sei denn die Schwangerschaft gefährdet der Gesundheit der Schwangeren, der Fötus ist beschädigt oder die Schwangerschaft resultiert aus einer Vergewaltigung oder Inzest.  


Hinter der Aussage, dass Abtreibung nur dann möglich sein sollte, wenn eine Schwangerschaft eine Folge von Vergewaltigung ist oder wenn sie das Leben einer schwangeren Person bedroht, verbirgt sich die Überzeugung, dass wir nicht über unser Leben, unsere Gesundheit und unseren Körper entscheiden dürfen, bis uns ein Mann vergewaltigt oder bis wir uns in einer Todesgefahr befinden.

Diese Meinung teilt die polnische Regierung, ein großer teil der Opposition, die katholische Kirsche, aber interessanterweise nicht mehr die Bevölkerung. In der neusten repräsentativen  Meinungsumfrage spricht sich 53% der Bevölkerung für eine Fristenlösung bis 12 Schwangerschaftswoche. Es ist eine sehr große Veränderung und der beste Ergebnis seit Jahren und das verdanken wir der Aktivist*innen der Pro-Choice Bewegung, die seit  Jahren eine umfaßende Aufklärungskampagne laufen. Schwangerschaftsabbruch ist eine Erfahrung, die sehr viele teilen. Es darf kein Tabu mehr werden! Keine Regierung der Welt sollte die Macht besitzen den Frauen, Trans- und nicht binären Personen vorzuschreiben, wann und ob sie ein Kind kriegen sollen. Diese Entscheidung liegt alleine in unseren Händen! 

Die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen ist kein durch das Gesetz erlangtes Privileg, sonders es bedeutet ein Recht auf Selbstbestimmung über eigene Körpern, Leben und Gesundheit. Der Staat muss garantieren, dass es keine einzige schwangere gibt, die durch einen illegalen Schwangerschaftsabbruch stirbt. Abtreibung ist keine Frage des Moral, es ist ein Problem der öffentlichen Gesundheitssektors, das dringend angegangen werden muss.

Durch restriktive Gesetze wird die Anzahl der Abbrüche nicht geringer, sondern es bringt eine Lebensgefahr für die ungewollt schwangere Person und zieht oft strafrechtliche Folgen für Ärtzt*innen und Ärztepersonal mit sich. 

Obwohl die Legalität der erste Schritt zu einer sichereren Abtreibung ist, reicht eine gesetzliche Reform nicht aus. Der Schwangerschaftsabbruch muss von der Krankenkassen für alle die es brauchen übernommen werden, denn das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung muss für alle geltend sein  UND  nicht nur für die, die über ausreichende finanzielle Mitteln verfügen. 

Der Kampf um legalen, sicheren und kostenfreien Zugang zu Schwangerschaftsabbruch geht weiter: sei es in Polen, in Deutschland, Gambia, Argentinien oder Ecuador. Doch wir geben nicht auf! Wir kämpfen weiter und lassen die Hoffnung nicht entgehen, dass das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung einmal überall in der Welt zu Norm wird.

NO WOMAN IS FREE UNTIL EVERY WOMAN IS FREE! 

Alicja Flisak / Dziewuchy Berlin / Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung

Fotos / Video: Camilla Lobo

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