Alicja Flisak – Rede zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Alicja Flisak – Rede zum Tag gegen Gewalt an Frauen / 25.11.2017, Berlin

Gewaltfreiheit ist ein grundlegendes Menschenrecht. Gewalt in verschiedenen Formen und Ausprägung betrifft Frauen* aller ethnischen Gruppen und sozioökonomische Klassen in allen Ländern. Deswegen sind wir heute hier: um ein Zeichen zu setzen, um zu zeigen, dass wir mit der Lage nicht zufrieden sind. Wir sagen: Stopp Gewalt gegen Frauen*!

Heute möchte ich über eine bestimmte Art geschlechtsbezogener Gewalt sprechen, die meines Erachtens, zu wenig Beachtung findet und die sich auf Frauen* im reproduktivem Alter bezieht. Es handelt sich um die systematische Verweigerung des Zugangs zu sicheren und legalen Abtreibung und die Kriminalisierung von Abtreibungen. Es ist, trotz vielen Jahren von feministischen Kämpfen, immer noch ein bedeutsames und reales Beispiele für institutionelle Gewalt gegen Frauen*.

Das Recht der Frauen* auf umfassende Dienste im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit, einschließlich Abtreibung, ist in internationalen Menschenrechtsstandards verwurzelt, die das Recht auf Leben, Gesundheit, Privatsphäre und Nichtdiskriminierung garantiert. Diese Rechte werden ernsthaft verletzt, wenn Regierungen Abtreibungsdienste unzugänglich machen.

In der Praxis haben Frauen*, selbst wenn die Abtreibung legal ist, oft einen begrenzten Zugang zu sicheren Abtreibungsdiensten. Die Gründe dafür sind unter anderem ein fehlender politische Wille sich ernsthaft und aus Frauen*perspektive mit dem Thema auseinanderzusetzen, sowie Stigmatisierung der Abtreibung. Wir müssen jedoch endlich verstehen, dass reproduktive Rechte für die Verwirklichung der Geschlechtergleichstellung von wesentlicher Bedeutung sind.

Von einem Ideal im Bezug auf reproduktive Rechte und Selbstbestimmung sind wir, in Deutschland lebende Frauen*, immer noch etwas entfernt. Schon allein aufgrund des §218, der die Abtreibung in Deutschland rechtlich gesehen verbietet. Am 24.11. wurde eine Ärztin, Kristina Hänel, wegen „Werbung“ für Schwangerschaftsabbrüche schuldig gesprochen. Es ist nämlich ein Verstoß gegen den §219a wenn man Frauen über Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruches informiert. Ihr wurde eine Geldstrafe von 6000€ vom Gericht auferlegt.

Zum Schluß möchte ich zur Solidarität mit polnischen Frauen* aufrufen. Ein Jahr nach dem schwarzen Protest, der unglaublich viele Frauen* mobilisierte, versucht die polnische Regierung, mit der Unterstützung der katholischen Kirche und der anti-choice Bewegung, weitere Wege zu finden, um den Frauen* das Recht auf die Selbstbestimmung zu entziehen. Die selbsternannten Lebesnschützer*innen haben zwar letztes Jahr nicht geschafft einen kompletten Abtreibungsverbot durchzusetzen aber sie greifen die Frauen* weiter an. Das Rezeptpflicht für die Pille danach wurde wieder eingeführt. Der Zugang zu Verhütungsmitteln wurde mächtig eingeschränkt, da die Ärzt*innen und Apotheker*innen sich auf das Gewissensklausel beim Verschreibung und Verkauf berufen. Die Rechtsprechung wird von Anti-Choice Organisationen beeinflusst. Diese Woche hat uns ein Aufruf von Women on Web erreicht (es ist eine Organisation, die unter anderem Abtreibungspillen an Frauen* in Ländern verschickt, in denen es keinen Zugang zu sicheren Abtreibungsdiensten gibt). Die Organisation berichtet, dass die verschickten Sendungen mit Abtreibungspillen von polnischen Post illegal angehalten und nicht ausgeliefert werden. Es ist ein Freiheitsentzug. Das ist Gewalt! Denn der Frauen* wird sogar diese Möglichkeit, über ihren Körper, ihre Gesundheit und ihr Leben zu entscheiden weggenommen.

Solidarität mit allen Menschen auf der Welt, die keinen freien Zugang zu Abtreibungen haben! Und das ist mein Aufruf auf alle frauenfeindliche Regierungen: stoppt die Gewalt gegen Frauen und gib uns das Recht auf die Selbstbestimmung zurück!

 

Zum nachlesen:

http://www.fr.de/politik/gender/gewalt-gegen-frauen-polen-setzt-auf-haerte-auch-gegen-opfer-a-1394940

 

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