Dziewuchy aus Berlin und Stettin zur Lage der Geflüchteten

19.09.2017 – Regenbogenkino, Laustzer Str 22, Berlin

Festung-Europa: Bericht aus der östlichen Außengrenze.

Während des Kommunismus haben Tausende Osteuropäer Asyl im Westen gefunden. Nun aber weigern sich diese Staaten, Flüchtlinge in größerer Zahl aufzunehmen. Polen gilt als Transitland – schon bei der Diskussion über Flüchtlingsquoten wiesen polnische Regierungsvertreter darauf hin, dass die Mehrheit der Flüchtlinge gar nicht in Polen bleiben will, und reisen in andere EU-Staaten wie Deutschland weiter. Nach der Ankündigung, Polen werde zur Entlastung Italiens und Griechenlands einige tausende Flüchtlinge aufnehmen, gab es einen großen Aufstand seitens nationalistischer Gruppen. Doch nicht nur sie haben Vorbehalte. Immer mehr Asylsuchenden in Polen wird der Schutz verweigert. Dramatische Berichte erreichen uns besonders von der europäischen Ostgrenze. Tausende Geflüchtete können die Grenze zwischen Weißrussland (Brest) und Polen (Terespol) nicht überwinden, und ein Recht auf Asyl wird ihnen verweigert. Sie werden von den polnischen Behörden mit dem Argument gestoppt, sie hätten kein EU- bzw. kein polnisches Visum. Diese Praktiken wurden in der zweiten Hälfte des Jahres 2015 häufiger und die Situation verschlechterte sich kontinuierlich während des ganzen Jahres 2016. Es sind hauptsächlich Schutzsuchende aus Tschetschenien, die über Weißrussland in der EU Schutz beantragen möchten. Nur eine kleine Anzahl erhält einen Flüchtlingsstatus. Die in einem fremden Land, in dessen Gesellschaft Vorurteile und Fremdfeindlichkeit herrschen, auf sich allein gestellten Menschen suchen nach Möglichkeiten, ein menschenwürdiges Leben für sich und ihre Familien aufzubauen.


Doch wie sieht eigentlich die Situation an der östlichen Außengrenze der Europäischen Union? Und wie ist die Lage der Geflüchteten in Polen? Während der Veranstaltung möchten wir im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit polnischen Aktivist*innen über die Situation in Brest und über die Lage der Geflüchteten in Polen diskutieren und die „polnische Flüchtlingskrise“ in einem größeren, europäischen Kontext einordnen.

Die Veranstaltung wird von eine Fotoausstellung begleitet.
Die Fotoreihe von Maciej Soja ist ein Bericht aus dem Asylheim in Rothenklempenow. Im Dezember 2015 fand dort das erste Treffen der polnischen und deutschen Freiwilligen mit der syrischen Geflüchteten

Foto: Maciej Soja

Foto: Maciej Soja


Wir zeigen auch die Fotoreihe „Wartend auf den Schutz“ (pl: W oczekiwaniu na schronienie) von Iryna Arachojskaja und Jędrzej Nowicki berichtet über das Geschehen an der weißrussisch-polnischen Grenze. Der Bahnhof in der weißrussischen Stadt Brzesc wurde zum Symbol der polnischen Flüchtlingskrise. Dort warten ganze Familien, denen mehrmals die Möglichkeit den Asylantrag zu stellen verweigert wurde. Ohne Geld, oft ohne gültige Papiere und ohne jede Hilfe seitens des Staates. Die einzige Hoffnung ist die Gnade der Zoll-Beamten- vielleicht klappt es beim zehnten oder vielleicht beim zwanzigsten Mal?

Die Grenze in Brześć, Foto: Iryna Arachojskaja

Die Grenze in Brześć, Foto: Iryna Arachojskaja

Die Grenze in Brześć, Foto: Iryna Arachojskaja

Die Grenze in Brześć, Foto: Iryna Arachojskaja

Vielen Dank für die Bilder aus Brzesc an die Inicjatywa Dom Otwarty. Dom Otwarty ist eine Gruppe von Aktivisten die nicht mit die Welle von Fremdenfeindlichkeit, Hass und Verachtung für Flüchtlinge und Migranten in Polen einverstanden sind. Die Aktivisten organisieren Demos, Debatten und auch materielle Hilfe für Flüchtlinge in Polen und darüber hinaus.

Während der Veranstaltung wird Anna Krenz über Frauenkongress (Kongres Kobiet) – eins der wichtigsten feministischen Veranstaltungen in Polen – berichten. Darüberhinaus werden Dziewuchy Dziewuchom Berlin Unterschriften unter der Gesetzesinitiative „Ratujmy Kobiety“ (Lass uns die Frauen retten) sammeln. Deswegen bitten wir die polnische Staatsbürger ihre Ausweise zur Veranstaltung mitzubringen.

Dziewuchy Dziewuchom ist eine polnische Frauen-Protest-Gruppe die ganz spontan im April 2016 in verschiedenen Ortschaften Polens entstanden ist, als Protest gegen Projekte für Verschärfung des Abtreibungsgesetztes in Polen. Dziewuchy organisierten unter anderen den Schwarzen Protest in Polen und den erfolgreichen Schwarzen Montag am 3. Oktober 2016 infolgedessen die PiS-Regierung von der Absicht des Abtreibungs-Verbots in Polen abgetreten ist.
Bogna Czałczyńska ist Gründerin der Gruppe Dziewuchy in Stettin, Anna Krenz in Berlin. Beide werden natürlich auch zur aktuellen Lage der Polinnen berichten, der Schwerpunkt der Veranstaltung ist aber nach wie vor dramatische Lage der Geflüchteten in Polen.

Vielen Dank an Christine Ziegler von Regenbogenfabrik und Dorota Kot von Städtepartner-Stettin. 

 

Alicja Flisak (Dziewuchy Berlin), Bogna Czałczyńska (Dziewuchy Szczecin) und Ewa Maria Slaska (Dziewuchy Berlin)

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